Schloßstraße

 

Die Schloßstraße, nur noch teilweise erhalten, verlief vom Alten Markt um den Marstall, am Schloß- und Lustgartenbereich vorbei, bis hin zur Priesterstraße (Henning-von-Tresckow-Straße). Hier endete sie am ehemaligen Oberpolizeipräsidium. Ursprünglich wurde sie „Kleine Schloßstraße“ genannt, in Bezug auf das nahe gelegene Stadtschloss. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts hieß die Schloßstraße „Am Reitstalle“, wobei hier der Marstall Inspiration bei der Namensgebung war. Endgültig ging aber dann die Bezeichnung Schloßstraße in die Stadtgeschichte ein. Zur Zeit des Soldatenkönigs Friedrich Wilhelm I. war die gesamte Häuserzeile nicht gerade das, was man als architektonisches Kunstwerk bezeichnen konnte. Erst des Soldatenkönigs Sohn und Thronfolger, Friedrich II., ließ diese Straße in den fünfziger Jahren des 18. Jahrhunderts so umgestalten, dass man die Häuser Nr. 1 bis 7 schließlich als kleine Paläste bezeichnete. Auch diese sind uns nicht mehr erhalten geblieben. Das wohl Prunkvollste unter diesen Gebäuden war ohne Zweifel das Eckhaus Schloßstraße/Hohewegstraße (Friedrich-Ebert-Straße). Es wurde 1754 als Kopie des Palazzo Valmarano, in Verona stehend, errichtet. Dazu soll König Friedrich II. selbst die architektonischen Vorlagen geliefert haben. Das gleiche trifft auch bei den Häusern Schloßstraße Nr. 4, 5 und 6 zu. Die weiteren Gebäude der Schloßstraße Nr. 9 bis Nr. 12 und Nr. 14 wurden in den Jahren 1980 bis 1983 gründlich saniert und wiederhergestellt.

Auf dem Grundstück der Schloßstraße 6 - gegenüber dem Stadtschloss, stand ein Gebäude mit einer äußerst wechselvollen Verwendungs- und Baugeschichte. Es wurde 1753 von Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff[1] und Andreas Ludwig Krüger[2] im Auftrage Friedrichs II. für den Seifensieder Herrn Schumann neu errichtet. Seit 1891 befand sich in jener Schloßstraße 6 der Gasthof »Zum Deutschen Haus« mit Weingroßhandlung und Weinstube, ein Gasthof I. Ranges. Dieser Firmenname wurde bereits 1818 eingeführt. Von 1891 bis 1910 bewirtete hier Christian Schmidt seine Gäste, nach seinem Tod 1910 führte die Witwe Emilie Schmidt dieses Hotel bis 1938 fort. Die Gäste konnten hier, ebenso wie im Nachbarhaus, dem sogenannten »Plögerschen Gasthof« das tägliche Aufziehen der Wachparade des Stadtschlosses mit ihrem klingenden Spiel zwischen 12.45 Uhr und 13.00 Uhr beobachten.:::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::.

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Hier stiegen im Jahre 1778 Johann Wolfgang von Goethe[1] und Herzog Carl-August von Sachsen-Weimar[2] ab. Er hinterließ in seinen Tagebüchern spärliche Eintragungen über die Residenz- und Garnisonstadt Potsdam, geschweige über den Gasthof, der zu seiner Zeit sogar einer der vornehmsten Potsdams war. Über seinen ersten Besuch vermerkte er lediglich:

»Abends 9 in Treuenbritzen. Pr. Adler. Sand. Rohrens Bekanntschaft. Kn. Halsninde. 15 früh 6 ab. Potsd. Um 10. Exerzierstall. Waisenhaus, Stall besehn. Nachmittags in Sanssouci. Castellan ein Flegel Engelsköpfe pp. ab 4 Uhr in Berlin. 9. Abends bey Pr. H. S.«.

In seiner Eigenschaft als Minister wollte Goethe in Berlin militärische und politische Hintergründe zur bevorstehenden Mobilmachung König Friedrichs II. in Erfahrung bringen, da in diesem Zusammenhang auch Sachsen-Weimar beteiligt sein könnte. Aber der Geheimrat aus Weimar war wohl auch etwas neugierig auf die Residenzstädte Potsdam und Berlin. Als Goethe aus Berlin zurückkehrte, fand er sich wieder in Plögers Gasthof ein. Am Abend schrieb er in sein Tagebuch:

»Von Berlin um 10 über Schönhausen auf Tegeln. Mittags Essen. Über Charlottenburg nach Zehlendorf. Nachts 11 in Potsdam.«



[1] Johann Wolfgang von Goethe (* 28.8.1749 in Frankfurt am Main; † 22.3.1832 in Weimar), geadelt 1782, war ein deutscher Dichter, Forscher, Publizist und Politiker. Quelle: Wikipedia

[2] Karl (oder Carl) August von Sachsen-Weimar-Eisenach (* 2.9.1757 in Weimar; † 14.6.1828 auf Schloss Graditz bei Torgau), war seit 1758 Herzog und seit 1815 Großherzog von Sachsen-Weimar-Eisenach. Quelle: Wikipedia

 


[1] Georg Wenzeslaus v. Knobelsdorff - vollständiger Name Hans Georg Wenzeslaus Freiherr von Knobelsdorff, (* 17.02.1699 auf Gut Kuckädel bei Crossen a.d.  Oder; † 16.09.1753 in Berlin) war zunächst Soldat, danach Porträt- und Landschaftsmaler, Theaterintendant, Landschaftsgestalter und Architekt im Dienste Friedrichs II. von Preußen. Quelle: Wikipedia

[2] Andreas Ludwig Krüger (* 17.01.1743 in Potsdam; † 15.06.1822 in Berlin) war ein deutscher Archivtekt und Kupferstecher. Quelle: Wikipedia

 

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